Rheinbacher Martinslieder

Silhouette des Sankt Martin vor einem Martinsfeuer

Seit dem Jahr 1903 wird der große Martins­zug in der Rhein­­bacher Innen­stadt durch den Löschzug Rheinbach der Frei­willigen Feuer­­wehr der Stadt Rhein­bach organisiert.

Der Martins­zug, welcher in der Regel am Martins­abend (10.11.) durch die Straßen der Glas­stadt zieht, hat somit eine über 115-jährige Tradition und ist der älteste im gesamten Rhein-Sieg-Kreis.

Auf dieser Seite haben wir einige Informationen zur Historie des Rheinbacher Martinszuges zusammengetragen:

 

Grußwort des Rheinbacher Sankt Martin im Jahr 2020

Liebe Rheinbacher Bürgerinnen und Bürger, liebe Kinder,

ich freue mich das ganze Jahr darauf, am Martinsabend mit vielen Laternen durch unser Rheinbach zu ziehen. Leider ist das in diesem Jahr nicht möglich.

Aber kennt ihr die Geschichte des Martinsfestes in Rheinbach?
Seit 1903 – also seit mehr als 115 Jahren – gibt es in Rheinbach den großen Martinszug, der schon immer von der Freiwilligen Feuerwehr organisiert wird. Extra für den Martinszug schrieb der Rheinbacher Feuerwehrmann Wilhelm Bendermacher vor über hundert Jahren einige Martinslieder. Eines der bekanntesten ist das Lied „Sank Märte es ad wedde he!“, was ihr vielleicht auch als „Loft, Könder, loft“ kennt.

Der Löschzug Rheinbach hat extra für euch ein Liedblatt gestaltet, welches ihr hier über die Homepage der Feuerwehr Rheinbach abrufen könnt.

Bis hoffentlich im nächsten Jahr!
Euer Sankt Martin

Sankt Martin auf seinem Pferd

Rheinbacher Martinslieder

Portrait Wilhelm Bendermacher
Wilhelm Bendermacher. Foto: GRO-RHEI-KA Narrenzunft Prinzengarde 1895 e.V.

Der Rhein­bacher Musiker und Komponist Wilhelm Bender­macher (1850–1934), Gründungs­mit­glied der Feuer­wehr Rhein­bach und Leiter der damaligen Feuer­wehr­kapelle, schrieb für den Martins­zug mindestens drei Martinslieder.

Die beiden in Mund­art getexteten Bender­macher-Lieder „Sank Märte es ad wedde he“ (Loft, Könder, loft) sowie „Dörch all die Stroße trecke mir“ werden bis heute in ver­schiedenen Varianten im gesamten Rhein­land ge­sungen.
Des­weiteren ist noch das hoch­deutsche Lied "Heiliger Martinus" von Wilhelm Bender­macher überliefert.

Diese drei Martins­lieder sind im folgenden ab­ge­bildet und auch in einem Lied­blatt zum Herunter­laden zusammengefasst:

Sank Märte es ad wedde he! (Loft, Könder, loft)

Musik & Text: Wilhelm Bendermacher | Notation: nach Klaus Lung

Notenblatt

Sankt Martin ist schon wieder hier! (Lauft, Kinder, lauft)

Die folgende Übertragung ins Hochdeutsche erhebt nicht den Anspruch einer wörtlichen Übersetzung. Vieles wird im Dialekt urwüchsiger, aber auch treffender beschrieben.

  1. Sankt Martin ist schon wieder hier! Lauft, Kinder, lauft.
    Wenn er uns zuruft, „Ich bin schon hier!“ Lauft, Kinder, lauft.
    Und die Laterne in der Hand und die Kerze angezündet
    und die Straße hoch und runter. Lauft, Kinder, lauft.
  2. Sankt Martin war ein guter Mann. Lauft, Kinder, lauft.
    Er hat auch alle Kinder gern. Lauft, Kinder, lauft.
    Und die Laterne…
  3. Sankt Martin wollen wir ehren. Lauft, Kinder, lauft.
    Mit Laternen und St. Martinsfeuer. Lauft, Kinder, lauft.
    Und die Laterne…
  4. Sankt Martin ist für heute vollbracht. Lauft, Kinder, lauft.
    Darum müssen wir jetzt nach Hause gehen. Lauft, Kinder, lauft.
    Und die Laterne…

Dörch all die Stroße trecke mir

Musik & Text: Wilhelm Bendermacher | Notation: Thomas Knoch

Notenblatt

Durch alle Straßen ziehen wir

Die folgende Übertragung ins Hochdeutsche erhebt nicht den Anspruch einer wörtlichen Übersetzung. Vieles wird im Dialekt urwüchsiger, aber auch treffender beschrieben.

  1. Durch alle Straßen ziehen wir, Sankt Martin, Sankt Martin.
    Mit Laternen und Sankt Martinsfeuer, Sankt Martin, Sankt Martin.
    Wir verehren dich, du wirst uns wohl anhören.
    Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin.
  2. Zu Lebzeiten hattest du eine hohe Stellung, Sankt Martin, Sankt Martin.
    Du zogst mit Soldaten durch die Welt, Sankt Martin, Sankt Martin.
    Am Wegesrand stand still und zusammengekauert ein armer in Lumpen gekleideter Mann.
    Sankt Martin, …
  3. Sofort zogst du das Schwert aus der Scheide, Sankt Martin, Sankt Martin.
    Den Mantel hattest du schnell geteilt, Sankt Martin, Sankt Martin.
    Ein Mantelteil hingst du dem Mann über seine Kleidung (Lumpen).
    Sankt Martin, …
  4. Was du gemacht hast, gilt für Groß und Klein, Sankt Martin, Sankt Martin.
    Darum soll nur keiner geizig sein, Sankt Martin, Sankt Martin.
    Die für den Zug was spenden, werden oben (im Himmel) angesehen.
    Sankt Martin, …
  5. Es werden von uns auch diejenigen verehrt, Sankt Martin, Sankt Martin.
    Die diesen Zug angeführt haben, Sankt Martin, Sankt Martin.
    Die keine Mühen scheuen, damit sich die Kinder freuen.
    Sankt Martin, …
  6. Wenn wir durch den Dreck gelaufen sind, Sankt Martin, Sankt Martin.
    Dann bekommen wir auch einen Martinswecken, Sankt Martin, Sankt Martin.
    Sankt Martin höre, wir bitten dich, backe sie aber nur nicht zu klein.
    Sankt Martin, …

Heiliger Martinus

Musik & Text: Wilhelm Bendermacher | Notation: nach Klaus Lung

Notenblatt

Zur Tradition des Rheinbacher Martinszuges

Der älteste Martinszug im Rhein-Sieg-Kreis

Im August 1903 über­nahm Louis Pfahl als erster Haupt­mann die Leitung der Feuer­wehr Rhein­bach. Auf seinen Vor­schlag hin kümmerte sich die Feuer­wehr am Martins­abend 1903 erst­mals um die Organisation eines ge­ordneten Martinszuges.

Der erste Martins­zug zog am 10. November 1903 ab halb fünf Uhr abends vom Krieger­denkmal am so­genannten Clara­platz (heute Wilhelms­platz) unter anderem über die Aachener-, Bahnhof-, Krieger-, Haupt-, Weiher-, Bach- und Koblenzer­straße. Am Ende des Zuges wurde am Krieger­denk­mal die Kaiser­hymne „Heil dir im Sieger­kranz“ gesungen.

Schon damals wurde der Martins­zug durch Spenden der Rhein­bacher Bürgerinnen und Bürger finanziert. Seit 1904 er­halten die Kinder nach dem Zug einen Wecken, damals „Korinthen­brötchen“ genannt. Ab 1905 wurde auf das Singen der Hymne am Ende des Martins­zuges verzichtet.

Bis heute wird der Martins­zug in Rhein­bach vom Lösch­zug Rhein­bach der Frei­willigen Feuer­wehr der Stadt Rhein­bach organisiert. Der Rhein­bacher Martins­zug ist somit mit seiner über 115-jährigen Ge­schichte der älteste Umzug zu Sankt Martin im gesamten Rhein-Sieg-Kreis.

Rheinbacher Martinslieder – ein lebendes Stück Rheinbacher Geschichte

Unterstützt wurde Feuer­wehr­haupt­mann Louis Pfahl bei der Etablierung des ge­ordneten Martins­brauch­tums tat­kräftig von Wilhelm Bender­macher. Dieser war seit der Gründung der Rhein­bacher Wehr im Jahr 1879 aktiver Feuer­wehr­mann. Zu­gleich leitete der Musiker und Komponist die Feuer­wehr­kapelle und rief 1895 die Gro-Rhei-Ka Narren­zunft Prinzen­garde 1895 e.V. ins Leben.

Wilhelm Bender­macher schrieb eigens für den Rhein­bacher Martins­zug neue Martins­lieder. Schon für das Jahr 1903 wird berichtet, dass er die neuen Lieder mit den Rhein­bacher Kindern ein­studiert hat. Um welche Lieder es sich genau handelt, ist nicht über­liefert. Das Lied „Heiliger Martinus“ wurde von Bender­macher ver­mutlich im Jahr 1905 komponiert; zudem finden sich noch im Jahr 1930 Notizen über ein neues Martins­lied von Wilhelm Bendermacher.
Der inzwischen zum Ehren­kapell­meister er­nannte Bender­macher ver­starb am 21.02.1934.

Bis heute bekannt sind neben der er­wähnten Komposition „Heiliger Martinus“ die beiden in Mund­art ge­texteten Bender­macher-Lieder „Sank Märte es ad wedde he“ (Loft, Könder, loft) sowie „Dörch all die Stroße trecke mir“, welche bis heute in vers­chiedenen Varianten im ge­samten Rhein­land ge­sungen werden – ein lebendes Stück Rhein­bacher Geschichte.

Organisierte Martinszüge in den Rheinbacher Ortschaften

Auch in den Rhein­bacher Ort­schaften haben die Martins­züge eine lange Tradition. In Ramers­hoven wurde der erste Martins­zug im Jahr 1908 von der Feuer­wehr organisiert. Seit 1927 gibt es in Nieder­drees einen Martins­zug, welcher seiner­zeit durch die dortige Feuer­wehr ins Leben ge­rufen wurde.
In Neu­kirchen wurde der Martins­zug von der dortigen Schule erst­mals im Jahr 1924 organisiert; ein Jahr später ver­an­staltete auch die Schule in Wormers­dorf einen Um­zug zum Martinsfest.
In Ober­drees zeichnete ab dem Jahr 1928 die Karnevals­gesell­schaft Ober­drees für den Martins­zug verantwortlich.
Der Beginn der Durch­führung eines ge­ordneten Martins­zuges in Hil­berath ist un­bekannt. In den Quellen dokumentiert ist aller­dings, dass die Organisation im Jahr 1970 von der Grund­schule auf die dortige Feuer­wehr überging.

Bis heute werden die Martins­züge in Rhein­bach, Hil­berath, Quecken­berg, Ramers­hoven und Wormers­dorf durch die örtlichen Lösch­ein­heiten der Frei­willigen Feuer­wehr Rhein­bach organisiert und viele weitere Züge in anderen Rhein­bacher Orts­teilen von den dortigen Feuer­wehr­kameradinnen und -kameraden begleitet.

Am 25. Oktober 2018 wurde die Martins­tradition in das Inventar des immateriellen Kultur­erbes von Nord­rhein-West­falen auf­ge­nommen – ein Kultur­erbe was Jahr für Jahr von der Frei­willigen Feuer­wehr der Stadt Rhein­bach gelebt wird.

Quellen

Klaus Lung, Heiliger Martinus. Eine kleine Martinsbroschüre mit Liedern, Lebensgeschichte und Brauchtum. Flerzheim 2004.

Dietmar Pertz, Vor 100 Jahren: Erster organisierter St. Martinszug in Rheinbach. Zur Reform des Martinsbrauchtums in Rheinbach und seinen Ortschaften im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. In: kultur & gewerbe. Dezember 2003.

GRO-RHEI-KA Narrenzunft Prinzengarde 1895 e.V., Chronik der GRO-RHEI-KA Narrenzunft Prinzengarde 1895 e.V. Geschichte des Rheinbacher Karnevals von 1895 bis 2006.

Freiwillige Feuerwehr der Stadt Rheinbach, Festschrift des Löschzuges I zum 125jährigen Bestehen. Juni 2004.